Sie sind ĂŒberall, jene kontemplativ analogen Menschen, die erst ĂŒber den iPhone-Hype lĂ€stern. Die dann aber doch zuschlagen und anschließend allen auf die Nerven gehen: kein Tag vergeht, ohne dass sie beim Mittagessen Zwischenberichte ĂŒber die coolsten Programme (vulgo: „Apps“) abliefern. Nie fehlen die Mitleidsbekundungen in Richtung Palm-Fans oder Missionierungsversuche bei Blackberry-Nutzern („die hĂ€sslichen Tasten“). Und immer wird die Unterhaltung mit aktuellen Erfolgsgeschichten abgerundet wie etwa „schau her, so leicht finde ich Geldautomaten/Bahnverbindungen/Freunde/Feinde/Wasauchimmer in meiner Umgebung. Wie konnte ich nur so lange ohne das GerĂ€t leben?“.

Und ja, es sieht fast so aus, als ob noch einige solcher Kandidaten hinzukommen, wenn das neue iPhone 4 in wenigen Wochen in Deutschland auf den Markt kommt.

Wer das irritierend findet, sei getröstet: Es geht noch schlimmer. Die Anthropologin Tanya Luhrmann von der renommierten kalifornischen Standford-UniversitÀt hat in Tiefeninterviews, Fokusgruppen und einer stichprobenartigen Befragung bei rund 200 Studenten untersucht, was mit Menschen passiert, die ein iPhone in die Finger bekommen. Fazit: Das Telefon werde zu einem Teil der IdentitÀt. Und das meint die Wissenschaftlerin sogar völlig ernst.

So gaben 24 Prozent der Befragten an, das GerĂ€t fĂŒhle sich an wie eine Erweiterung des Gehirns. 41 Prozent glauben, der Verlust des Telefons wĂ€re eine Tragödie und 75 Prozent sind schon einmal mit dem iPhone im Bett eingeschlafen. Und fast jeder Zehnte gab zu, den Begriff Touch-Phone wörtlich zu nehmen und das Telefon gelegentlich zu streicheln. Das Handy jedenfalls wird es ihnen danken, es hat immerhin ein berĂŒhrungsempfindliches Display.

Und irgendwie ist es da auch kein Wunder, dass mehr als 40 Prozent der befragten Studenten einrĂ€umten, ihr iPhone mache sie sĂŒchtig. Dass jeder Dritte feststellt, das Telefon lenke ab, ist dabei fast nur noch Nebensache. 69 Prozent der Standford-Befragten erklĂ€rten ĂŒbrigens, es sein wahrscheinlicher, dass sie ihr Portmonnaie verlieren, als ihr iPhone. Eine Testperson fĂŒgte noch hinzu, der Verlust sei vergleichbar mit einem Todesfall in der Familie.

Und das ist keine Satire. Schauen Sie sich einfach um: in der Bahn, in Meetings, selbst wÀhrend Diskussionsrunden auf Konferenzen und sogar beim Waldspaziergang. Es ist RealitÀt.

Quelle:

  • Wirtschaftswoche Nr.24/2010, S.78