So sch√∂n tiefsinnige Gespr√§che sein k√∂nnen:¬†Wer Karriere machen will, kommt nicht ohne Small Talk aus. Die¬†besten Tipps f√ľr eine kurzweilige und erfolgreiche Unterhaltung.

Vor einigen Jahren war Angela Merkel¬†auf Staatsbesuch in einem afrikanischen¬†Land. Der Pr√§sident erwartete¬†sie mit seiner Limousine am Flughafen,¬†w√§hrend der Fahrt sa√üen die Politiker¬†schweigend nebeneinander.¬†Dann entstand¬†ein denkw√ľrdiger Dialog:

P: Und Sie sind also die neue Bundeskanzlerin?

A: Ja.

P: Das ist doch schön.

A: Ja.

P: Das war sicher nicht leicht.

A: Nein.

P: Da¬†m√ľssen Sie jetzt aber verdammt gl√ľcklich¬†sein.

A: Mir geht es gut.

P: Sie tun sich eher schwer mit Small Talk, oder?

A: Ja.

Von diesem Gespr√§ch berichtete die¬†‚ÄěS√ľddeutsche Zeitung“ im Oktober 2005 –¬†auf der einen Seite das bem√ľhte Oberhaupt¬†aus Afrika, auf der anderen die designierte,¬†aber wortkarge Regierungschefin¬†aus Deutschland. Man meint, die¬†Beklommenheit in der Pr√§sidentenlimousine¬†f√∂rmlich sp√ľren zu k√∂nnen.

Kein Wunder. Intensive, nachdenkliche¬†Gespr√§che sind oft nicht nur angenehmer¬†als oberfl√§chliche Plaudereien – es fallt¬†vielen Menschen auch leichter, mit in Falten¬†gelegter Stirn stundenlang tiefgr√ľndig¬†zu diskutieren, als ein paar Minuten gut¬†gelaunt scheinbare Belanglosigkeiten auszutauschen.¬†Doch egal, ob w√§hrend der¬†Kaffeepause einer Konferenz, auf Gesch√§ftsreisen,¬†auf der Weihnachtsfeier, im¬†Aufzug oder am Kaffeeautomaten: Oft¬†sind es eher die kurzen, lockeren Gespr√§che,¬†die das Bild pr√§gen, das man von seinem¬†Gegen√ľber hat. Und dar√ľber entscheiden¬†k√∂nnen, ob der n√§chste Karriereschritt¬†gelingt. Niemand kommt ohne¬†ihn aus, egal, ob Absolvent oder F√ľhrungskraft.¬†‚ÄěSmall Talk ist f√ľr die Karriere¬†definitiv wichtig“, sagt auch der Psychologe¬†und Coach Stephan Lermer, ‚Äěheute sogar¬†mehr denn je.“

Kein Wunder, dass der Buchhandel voll¬†ist mit Ratgebern √ľber die Kunst des Small¬†Talks. Zahlreiche Werke geben gut emeinte¬†Tipps, darunter ‚ÄěTechniken der¬†Schlagfertigkeit“, ‚ÄěDie hohe Kunst¬†des kleinen Gespr√§chs“, ‚ÄěMenschengewinner“¬†oder ‚ÄěDas Ideen-Buch f√ľr Fortgeschrittene“.

Der Tenor all dieser B√ľcher: Schweigen¬†versilbert die Karriere, Reden vergoldet¬†sie. Wenn sie neue Stellen besetzen, verlangen¬†Unternehmen von Bewerbern¬†Kommunikationsf√§higkeit. Wer schnell¬†mit anderen ins Gespr√§ch kommt, kn√ľpft¬†leichter Kontakte – unerl√§sslich in Zeiten,¬†in denen die Qualit√§t des eigenen Netzwerks¬†immer mehr dar√ľber entscheidet,¬†wer einen Job bekommt und wer nicht.¬†Small Talk sei ‚Äěein Assessment Center im¬†Miniaturformat“, sagt Psychologe Lermer.¬†Man k√∂nne wunderbar abtasten, ob die¬†Chemie zum Gespr√§chspartner stimmt –¬†und die Beziehung danach vertiefen. ‚ÄěSie¬†sollten sich die Zeit daf√ľr nehmen“, sagt¬†die Psychologin Amy Cuddy von der Harvard¬†Business School. ‚ÄěSie werden sehen:¬†Es hilft.“

Aber wie geht das eigentlich, richtig¬†smalltalken? Wir haben die wichtigsten¬†Tipps f√ľrs erfolgreiche Plaudern zusammengestellt:

1. WARMHERZIG EINSTEIGEN

Angenommen, Sie sind zu einem gesch√§ftlichen¬†Abendessen eingeladen und sitzen¬†mit Fremden am Tisch – wie kommen ¬†Sie ins Gespr√§ch? Sollten Sie die Initiative¬†ergreifen? Und wenn ja, wie? Trauen Sie¬†sich, das Eis zu brechen. Und beginnen Sie¬†am besten mit einem L√§cheln – nicht nur¬†optisch, sondern auch rhetorisch: Versuchen¬†Sie also nicht, beim Einstieg ins Gespr√§ch¬†vor allem St√§rke und Kompetenz zu¬†demonstrieren, sondern strahlen Sie W√§rme¬†und Vertrauensw√ľrdigkeit aus.

Lassen Sie Ihren Gespr√§chspartner zuerst¬†ausf√ľhrlich zu Wort kommen, etwa¬†durch offen formulierte Fragen. Woher¬†kennen Sie den Gastgeber? Wie gef√§llt Ihnen¬†die Men√ľfolge? Oder das Ambiente?¬†So zeigen Sie Interesse an der Situation¬†und bauen subtil eine Bindung zu Ihrem¬†Tischnachbarn auf.

Oder bringen Sie Ihr Gegen√ľber dazu,¬†etwas Pers√∂nliches zu erz√§hlen. Etwa: Was¬†machen Sie beruflich? Wie verbringen Sie¬†Ihre Freizeit? Falls Ihnen gar nichts anderes¬†einf√§llt: √úbers Wetter kann man immer¬†reden. Es bewegt alle Menschen, entzieht¬†sich aber ihrem Einfluss. Kurzum: Es ist¬†unverf√§nglich, dar√ľber zu plaudern, jeder¬†hat dazu eine Meinung. Und egal, f√ľr welches¬†Thema Sie sich entscheiden: Hauptsache,¬†Sie formulieren Ihre Fragen neutral¬†und offen, interessieren sich f√ľr Ihr Gegen√ľber¬†und h√∂ren aufmerksam zu – dann¬†bleibt das Gespr√§ch mit gro√üer Wahrscheinlichkeit¬†im Fluss.

2. L√ĄSTERN VERBOTEN

Was Peter √ľber Paul sagt, sagt angeblich¬†mehr √ľber Peter als √ľber Paul. Anders formuliert:¬†L√§stern ist heikel – vor allem im ¬†Small Talk. Davon ist der Psychologieprofessor¬†John Skowronski von der Northern-Illinois-Universit√§t √ľberzeugt. Er hat in¬†mehreren Experimenten herausgefunden:¬†Zuh√∂rer √ľbertragen jene Eigenschaften,¬†die Person A einer Person B andichtet, unbewusst¬†und automatisch auf Person A.¬†Skowronski bezeichnet das Ph√§nomen¬†als ‚Äěspontane Eigenschafts√ľbertragung“.¬†Dieser Effekt l√§sst sich¬†f√ľr den Small Talk¬†auch positiv nutzen.

Small Talk f√ľhren¬†meist Bekannte,¬†Kollegen oder Gesch√§ftspartner.¬†Soll¬†hei√üen: Die Beteiligten¬†kennen sich zu wenig, um¬†alle Aussagen richtig einordnen¬†zu k√∂nnen. Deshalb sollten Sie b√∂sartige¬†und bissige Kommentare unbedingt verschweigen.¬†Reden Sie stattdessen positiv¬†und nett √ľber Kollegen und Vorgesetzte.

3. MONOLOGE MEIDEN

Sie sind kurz nach Gespr√§chsbeginn per¬†Zufall auf eines Ihrer Leib- und Magenthemen¬†gesto√üen – die hei√üesten Geldanlagetipps,¬†die angesagtesten Restaurants¬†und Hotels in London, die s√ľffigsten Rotweine?¬†Sch√∂n, dass Sie Ihrem Gegen√ľber¬†so beredt Rede und Antwort stehen k√∂nnen.¬†Vermeiden Sie dennoch unbedingt¬†mit Eigenlob gespickte onologe zu¬†Ihrem Lieblingsthema – da schaltet jeder¬†Gespr√§chspartner bald ab.

4. TABUTHEMEN UMSCHIFFEN

Religion und Politik, Geld und Gesundheit,¬†private Probleme – allesamt spannende¬†Themen, klar. Im Small Talk aber sind sie¬†tabu. Solche Themen sind nur f√ľr den¬†Freundes- k oder Verwandtenkreis bestimmt.¬†Wer sie im Kollegenkreis¬†anspricht, verst√∂√üt gegen¬†ein ungeschriebenes Gesetz.¬†Au√üerdem hinterl√§sst¬†er beim anderen¬†einen schlechten Eindruck.¬†F√ľr solche¬†Themen braucht es¬†Vertrauen, doch das¬†muss erst wachsen –¬†auch durch das unverbindliche¬†Plaudern √ľber¬†unverf√§ngliche Themen.

5. GESPR√ĄCHSPARTNER IMITIEREN

Wer uns imitiert, den m√∂gen wir. Psychologen¬†bezeichnen das als Spiegeltechnik,¬†auch Cham√§leon-Effekt genannt. Schenkt¬†uns jemand ein L√§cheln, schmunzeln wir¬†beinahe automatisch zur√ľck. Verschr√§nkt¬†das Gegen√ľber seine Arme, machen wir es¬†mit h√∂herer Wahrscheinlichkeit nach. Wie¬†ansteckend solche Mikrogesten sind, bemerkten¬†die US-Psychologen Tanya Chartrand¬†und John Bargh in einer Studie im¬†Jahr 1999. Ihre Probanden sahen sich zum¬†ersten Mal. Trotzdem ahmten sie Ber√ľhrungen¬†im Gesicht zu 20 Prozent nach, das¬†√úbereinanderschlagen von Beinen gar zu¬†50 Prozent.

Der Grund: Die meisten Menschen streben¬†nach Harmonie und Symmetrie. Deshalb¬†l√§sst sich der Cham√§leon-Effekt auch¬†beim Small Talk gezielt einsetzen, um Distanz¬†abzubauen und Vertrauen herzustellen.¬†Wer sein Gegen√ľber allerdings allzu¬†auff√§llig nach√§fft, l√∂st damit eher inneren¬†Protest aus.

6. STILVOLL VERABSCHIEDEN

Oberste, eigentlich selbstverst√§ndliche¬†Grundregel: Verabschieden Sie sich mit¬†ausgesuchter H√∂flichkeit. Bedanken Sie¬†sich f√ľr das nette Gespr√§ch, verweisen Sie¬†auf einen anstehenden Termin oder einen¬†Kollegen, den Sie an einem anderen Tisch¬†entdeckt haben und mit dem Sie noch dringend¬†sprechen m√ľssen. Tauschen Sie mit¬†Ihrem Gegen√ľber gegebenenfalls Visitenkarten¬†und machen Sie deutlich, dass Sie¬†sich auf eine Fortsetzung Ihres angenehmen¬†Gespr√§chs bei n√§chster Gelegenheit¬†freuen.