Werte bĂĽndeln unausgesprochene Erwartungen an ein bestimmtes Handeln, gekoppelt mit qualitativen Bewertungen (gut, schlecht u.a.) und deutlichen Emotionen. Werte beziehen sich auf Vergangenes und dienen in der Gegenwart als unbewusster Ratgeber fĂĽr zukĂĽnftiges Verhalten. (Oestereich/Schröder 2017, S.234)

Unter Werten sind Erwartungen zu verstehen, die so generalisiert, spezifiziert und abstrahiert sind, dass sie nur den „Handlungshorizont für Entscheidungsprobleme strukturieren“. (Luhmann 1973, S. 35f)

Werte und Einstellungen sind erlernt und zwar durch formale Erziehung und Ausbildung sowie durch die Vielzahl menschlicher Kontakte innerhalb und außerhalb der Arbeitswelt. Das individuelle Wertsystem und die Einstellungen eines Menschen prägen ganz entscheidend die Wahrnehmung seiner Umwelt, von Handlungsalternativen und von Handlungsfolgen, und somit sein Entscheidungsverhalten. „Ein Wert ist eine Auffassung (explizit oder implizit), die ein Individuum oder eine Gruppe von Wünschenswerten hegt, und welche die Wahl möglicher Verhaltensweisen (Anm. Normen), Handlungsalternativen und -ziele beeinflusst“. (Staehle/Conrad/Sydow 1999, S.173)

Unsere Werte bilden wir während unserer Sozialisation in sozialen Systemen wie unserer Herkunftsfamilie, Schulen, Berufsleben, Gesellschaften und jeweiligen Kulturkreisen. Gerald Hüther (Hüther 2011) führt in diesem Zusammenhang den Begriff des sozialen Gehirns ein. Werte beeinflussen meistens unbewusst unsere Entscheidungen und unser situatives Verhalten. (Oestereich/Schröder 2017, S.234)

Werte sind letztlich nur Gemeinsamkeitsunterstellungen, die einschränken, was gesagt und verlangt werden kann“, ohne aber zu „determinieren, was getan werden soll“ (Luhmann 1997, S. 343), in der Praxis erscheinen Werte der Organisationskultur aber häufig auch in der Form genauer Verhaltenserwartungen. (Kühl 2017, S.20)

đź“– d. h. (Organisations-)Kultur

Der Begriff Kultur selbst hat seine Wurzeln in der anthropologischen Forschung wie beispielsweise jener Forschungsbeitrag von Kluckhohn/Strodtbeck (1961) zeigt, der sich auf die Erforschung von amerikanisch-indianischen Völkern fokussiert. Die AutorInnen unterscheiden Kulturen anhand von ihren Werten, Einstellungen und Bräuchen. (Herget/Strobl 2018, S.40) Gerhard Wohland definiert: „Kultur ist die Kopplung von Verhalten (Anm.: Normen) und Werten. Weder… weiterlesen →

Quellen:

  • KĂĽhl, Stefan (2017): Organisationskultur. Eine systemtheoretische Anwendung von Ockhams Rasiermesser. Working Paper 7/2017. Uni Bielefeld.
  • Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
  • Oestereich, Bernd; Schröder, Claudia (2017): Das kollegial gefĂĽhrte Unternehmen. Ideen und Praktiken fĂĽr die agile Organisation von morgen. 1st ed. MĂĽnchen: Vahlen. Online verfĂĽgbar unter https://kollegiale-fuehrung.de/
  • Staehle, Wolfgang H.; Conrad, Peter; Sydow, Jörg (1999): Management. Eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive. 8. Aufl.