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📖 d. h. entscheiden

Der Duden definiert das Verb "entscheiden" als "in Bezug auf etwas den Ausschlag geben" oder "nach PrĂŒfen, Vergleichen oder kurzem Besinnen in einem Entschluss seine Wahl auf jemanden, etwas festlegen". (https://www.duden.de/rechtschreibung/entscheiden) Hier ist auch die ErklĂ€rung des Englischen Verbs "to decide" hilfreich. Merriam-Webster schreibt "to make a final choice or judgment about" oder "to select as a course of action" (https://www.merriam-webster.com/dictionary/decide). Wir entscheiden also zwischen Optionen ‒ treffen eine Wahl ‒ mit einer Absicht oder Erwartung.

Ficus Kirkpatrick hat vier Faktoren definiert, die sich beim entscheiden gegenseitig beeinflussen:

In Anlehnung an Ficus Kirkpatrick "Durable Decissions", entnommen aus Doshi 2019

Ficus Kirkpatrick definiert auch, das eine dauerhafte Entscheidung (durable decisions) nur dann vorliegt, wenn die Entscheidung sich erst dann Ă€ndert, wenn sich einer der Faktoren auch geĂ€ndert haben, aber nicht frĂŒher. (Doshi 2019)

Ziele

Eine Änderung der Faktoren findet ĂŒber die Zeit statt, was den Blick auf einen weiteren Faktor Zeit lenkt. Der Faktor Zeit findet sich in den Zielen wieder, die eine Zeitpunkt fĂŒr die Zielerreichung definieren. Wird der Zeitpunkt erreicht, so verliert das Ziel seine Bedeutung und muss neu bestimmt werden, was als Änderung der Faktoren verstanden werden kann. So sind Entscheidungen nur auf bestimmte Zeit als dauerhaft anzusehen.

Annahmen

Voraussetzung fĂŒr eine gute Planung der Entscheidung ist eine gute Informationsgrundlage. Entscheidungen werden immer auf Annahmen basieren. Dabei werden die Annahmen auf Basis von historischen und prognostischen Werten erarbeitet. Die am Prozess beteiligten EntscheidungstrĂ€ger haben meist unterschiedliche Annahmen, die sich sehr stark voneinander unterscheiden können. Es ist wichtig, dass diese Annahmen fundiert, belegt und dokumentiert sind. Dabei geht es um die Sicherstellung der EffektivitĂ€t der Umsetzung, resp. der geplanten Maßnahmen. Auch mĂŒssen die Konsequenzen der Entscheidungen durchdacht werden. (Link/Heller-Herold 2021, S. 110)

Ein hĂ€ufiges Problem ist es, dass Entscheidungen nicht zu Ende gedacht werden. Die Auswirkungen der Entscheidungen können durch die wichtigsten Kennzahlen unter Kontrolle gehalten werden. HĂ€ufig werden naheliegende und wenig innovative Ideen (z. B. fĂŒr neue Produkte oder Marketingkampagnen) geplant, weil die Beteiligten einerseits kein Fehlerrisiko eingehen möchten und andererseits sich mit der erstbesten Lösung zufriedengeben. (Link/Heller-Herold 2021, S. 110)

Es existieren in Wissenschaft und Praxis eine Vielzahl an Methoden (vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Futures_techniques), die EntscheidungstrĂ€gern die AnnĂ€herung an die Zukunft erleichtern sollen. Neben Klassikern wie Zeitreihenanalyse, Causal Layered Analysis oder Delphi-Technik steht hier auch die Szenario-Technik. Keine davon verspricht eine 100 %-ige Erfolgswahrscheinlichkeit oder eine genaue Vorhersage, was passieren wird. Wer zudem den Begriff "Management" nur teilweise oder ĂŒberhaupt nicht im Analytisch-rationalen Sinn bzw. einer den Gesetzten der Physik folgenden TĂ€tigkeit begreift, findet an dieser Stelle die besten Voraussetzungen, um unternehmerisches Handeln als "Kunst" zu verstehen. (Drechsler 2021, S. 224ff.)

Delphi-Technik

Diese von der US-amerikanischen Denkfabrik Rand Corporation wĂ€hrend des Kalten Krieges entwickelte Vorgehensweise versucht, die VorzĂŒge individueller Entscheidungsprozesse mit dem sozialen Lernen in Gruppen zu kombinieren. Dazu geben die Gruppenmitglieder beim ersten Durchgang vollkommen anonym ihre Stimme ab oder formulieren ihre EinschĂ€tzung der Situation. Erst darauf folgen Runden, in denen öffentlich abgestimmt wird. Einzige Vorgabe ist, dass die Mitglieder in diesen Folgerunden nicht wesentlich von ihrer ersten Meinung abweichen dĂŒrfen. Genauer gesagt, sollen sie sich mit ihrem Standpunkt innerhalb der beiden mittleren Quartile (damit ist in der Statistik die Verteilung von Daten zwischen 25 und 75 Prozent gemeint) bewegen. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis die Teilnehmer zu einer gemeinsamen EinschĂ€tzung gefunden haben, wobei immer wieder Gruppendiskussionen dazwischengeschaltet werden können. Eine einfachere (und auch leichter durchfĂŒhrbare) Alternative besteht darin, dass die Teilnehmer ihr endgĂŒltiges Urteil anonym fĂ€llen - aber erst nach einer Diskussion innerhalb der Gruppe. Die AnonymitĂ€t schĂŒtzt die Mitglieder vor dem in der Gruppe herrschenden Reputationsdruck, sodass sie vielleicht eher den Mut haben, offen ihre Meinung zu Ă€ußern. (Sunstein/Hastie 2015, S. 31)

Szenario-Technik

Es existieren im Zusammenhang mit Strategic Foresight (https://en.wikipedia.org/wiki/Strategic_foresight) Begrifflichkeiten wie das Szenario-Denken, die Szenario-Technik im engeren Sinne, das Szenario-Management und die Szenario-Planung. Die Szenario-Methode an sich trĂ€gt dazu bei, die strategische Denkweise und Kommunikation anzuregen, die interne FlexibilitĂ€t als Antwort auf die externen Unsicherheiten zu schĂ€rfen sowie Politikoptionen stĂ€rker auf die langfristigen Konsequenzen auszurichten. In diesem Sinn ist ein Szenario eine „description of a future situation and the course of events which allows one to move forward from the original situation to the future situation. Two major categories of scenario can be identifed: exploratory – starting from past and present trends and leading to a likely future; anticipatory or normative – built on the basis of different visions of the future; they may be either desired or, on the contrary, feared“ (Godet/Roubelat 1996, S. 166). Die PrĂ€dispositionen von Wissenschaftlern, Beratern, Foresight-/Szenario-Praktikern und Unternehmensmitgliedern offengelegt werden mĂŒssen, um die Annahmen zu explizieren. Dadurch gelangt man zu den mentalen Modellen, d. h. die kognitiven Abstraktionen, auf denen das Denken basiert und spĂ€ter zu Handlungen fĂŒhrt (vgl. Rutherford 2020, S. 38). Genauso verhĂ€lt es sich mit dem Szenario-Denken, das verschiedene Sichtweisen offenlegt und die unterschiedlichen Perspektiven in einer Synthese mittels strategischer Konversation zusammenfĂŒhrt (vgl. Wright/Cairns 2011, S. 8). WĂ€hrend dann die Technik die konkrete Vorgehensweise festlegt, kĂŒmmert sich das Management um dessen Abwicklung. (Drechsler 2021, S. 237f.)

FĂŒr die konkrete Umsetzung existieren nun praktische Rahmenwerke, die den BedĂŒrfnissen des Unternehmens zu entsprechen haben. Als ein Beispiel fĂŒr das Szenario-Denken eignet sich das Basis-Modell von Cairns/Wright (2018, S. 34 ff.) mit acht verschiedenen Schritten:

Stadium 1: Eingrenzen des Themas

Bei der Szenario-Methode geht es allgemein um die Analyse und die Sinnbildung bezĂŒglich der weiten GeschĂ€ftsumgebung eines Unternehmens. DafĂŒr verwendet man das Akronym PESTEL (Political – Economical – Social – Technological – Environmental – Legal). Im ersten Stadium legen die Betrachter den SchlĂŒsselfokus bzw. das SchlĂŒsselthema fest. Die sich anschließende Bestimmung des Zeithorizonts sollte im Rahmen des „Machbaren“ liegen, so dass die Aussagen nicht den Charakter einer Science-Fiction Geschichte bekommen.

Stadium 2: Bestimmung der "treibenden KrĂ€fte" – erst einzeln, dann in der Gruppe

Der Wandel und die Bewegungen der Zukunft produzieren bestimmte Muster oder Trends, die wiederum durch fundamentale KrĂ€fte ausgelöst und angetrieben werden. HĂ€ufig liegen diese außerhalb des Einflussbereichs der Akteure (z. B. makroökonomische, geopolitische Faktoren). Es empfehlt sich hier, die Beteiligten zunĂ€chst allein auf der Grundlage des PESTEL-Modells arbeiten zu lassen. Die spĂ€tere ZusammenfĂŒhrung in der Gruppe bewahrt davor, dass einige Ideen untergehen oder nicht gehört werden.

Stadium 3: BĂŒndelung der "treibenden KrĂ€fte"

Das Ergebnis aus dem vorangegangenen Schritt umfasst unter UmstĂ€nden hunderte von Einflussfaktoren. Eine Möglichkeit besteht darin, die Ergebnisse in Cluster zusammenzufassen, die zwei Überschriften folgen. Der Cluster Ursache-Wirkung relationiert entlang der Überlegung, wie die Emergenz eines Einflussfaktors einen direkten Einfluss auf die Auswirkungen eines anderen haben kann. Danach ist es im Rahmen des zweiten Clusters angebracht, eine Chronologie der Einflussfaktoren zu entwickeln. Das bedeutet, dass die Auswirkung eines Einflussfaktors zeitlich abhĂ€ngig ist von einem anderen. Ziel der Maßnahme ist es, die Anzahl an Einflussfaktoren ĂŒberschaubarer zu gestalten, so dass ParallelitĂ€t, Sequenzen, Hierarchie und Dependenz der Einflussfaktoren deutlich werden.

Stadium 4: Definition der BĂŒndel-Ergebnisse

Die Cluster an Einflussfaktoren fĂŒhren zu Ergebnissen, die im Rahmen einer Gruppenarbeit nĂ€her bestimmt werden mĂŒssen. Dabei geht es um die Reichweite an möglichen extremen Ergebnissen. Schlussendlich verstehen die Teilnehmer besser, was in jedem Cluster vor sich geht und wie diese zusammenhĂ€ngen.

Stadium 5: Auswirkungs-/Ungewissheits-Matrix

In diesem Schritt verwendet man ein Koordinatensystem mit zwei Achsen. Die horizontale Achse drĂŒckt die relative Auswirkung der Cluster-Ergebnisse mittels eines Kontinuums von niedrig bis hoch aus. Die relative Ungewissheit entlang der vertikalen Achse mit den Extrempunkten niedrig und hoch vervollstĂ€ndigt das Diagramm.

Auswirkungs-/Ungewissheits-Matrix – erste Stufe, Platzierung der relativen Auswirkungen des Clusters Namen-Haftnotizen (entnommen aus Cairns/Wright 2018, S. 42)

Nach Abtragen aller Faktoren wĂ€hlen die Betrachter die beiden wichtigsten aus und bezeichnen diese mit A und B. Wichtig ist hier, dass A und B voneinander unabhĂ€ngig sind. Das bedeutet, dass jeweils das beste/schlechteste (A1/A2) A und das beste/schlechteste (B1/B2) B ĂŒberschneidungsfrei sein mĂŒssen.

Auswirkungs-/Ungewissheits-Matrix – zweite Stufe, Platzierung der relativen Ungewissheit (entnommen aus Cairns/Wright 2018, S. 43)

Stadium 6: Gestaltung der Szenarien

Die oben definierten Faktoren mit extremen Auswirkungen haben alle in irgendeiner Weise eine Auswirkung auf die Zukunft. Jedoch sind die VerlÀufe in AbhÀngigkeit verschiedener Szenarien unterschiedlich. Daher werden alle auf die Faktoren A und B bezogen.

Stadium 7: Umfang der Szenarien

Die beiden Faktoren A und B können nun auf der Grundlage der extremem Auswirkungen A1, A2, B1 und B2 miteinander in einer Matrix kombiniert werden. Dadurch entstehen ZusammenhĂ€nge, die die beste/beste, beste/schlechteste, schlechteste/beste und schlechteste/schlechteste „Welt“ ausdrĂŒcken.

Stadium 8: Entwicklung der Szenarien

Ausgehend von den vier möglichen ZukĂŒnften entwickeln die Betrachter nun die Narrative, um die Szenarien zu entwickeln.

Die oder der Entscheider?

In der RealitĂ€t fĂŒhrt man ĂŒberwiegend aus einem eher vorgesetztenzentrierten VerstĂ€ndnis heraus. Man hat immer noch die klassischen FĂŒhrungsvorstellungen, die nach wie vor Nachahmer finden. Es wird lediglich behauptet, man mĂŒsse darĂŒber reden, man mĂŒsse versuchen, zu einer gemeinsamen Entscheidung zu kommen. (Bolten 2013, S.38)

Bei kooperativer FĂŒhrung mĂŒssen Vorgesetzte andere FĂ€higkeiten zeigen als bei autoritĂ€rer FĂŒhrung. Treffen sie am Ende kooperativer Prozesse letztendlich autoritĂ€r eine Entscheidung, dann mĂŒssen sie die Kompetenz (Anm.: im Sinne von Wissen/FĂ€higkeit) haben, selber entscheiden zu können. Bei rein kooperativer FĂŒhrung mĂŒssen sie die Kompetenz haben, eine Entscheidung herbeizufĂŒhren, was kommunikative FĂ€higkeiten voraussetzt. (Bolten 2013, S.39)

Erfolgreiche Vorgesetzte können beides und werden beides je nach Situation tun. „Macht“ haben heißt auch Verantwortung ĂŒbernehmen. Am Ende mĂŒssen sich Vorgesetzte im jeweiligen Einzelfall bewusst fĂŒr ihren Weg entscheiden. Fragen, die sie sich zu beantworten haben, lauten: "Womit fahre ich besser, welches Verhalten fĂŒhrt zum besseren Ergebnis?" (Bolten 2013, S.39f)

Es muss also jemanden geben, der letztlich die Entscheidung trifft. Dieses Recht behalten sich Vorgesetzte auch bei kooperativer FĂŒhrung vor. Letztendlich ist es auch hier der Chef, der entscheidet. (Bolten 2013, S.40)

Das, was FĂŒhrungskrĂ€fte tun, und wie sie handeln, muss – wollen sie langfristig Erfolg haben – auch ihrem Denken und Sinn entsprechen. Andernfalls wird FĂŒhrungsidentitĂ€t fĂŒr Mitarbeiter nicht wirklich erkennbar. (Bolten 2013, S.38)

Fachlichen und disziplinarischen Weisungsbefugnisse

Die fachlichen und disziplinarischen Weisungsbefugnisse leiten sich aus dem Direktionsrecht  des Arbeitgebers ab, dass den Arbeitnehmer dazu verpflichtet, den Anordnungen des Arbeitgebers im Hinblick auf die ihm im Rahmen seines ArbeitsverhĂ€ltnisses ĂŒbertragenen Aufgaben Folge zu leisten. Die Rechtsgrundlage hierfĂŒr sind u. a. der §106 Abs. 1 GewO und der §315 BGB. (Vahs 2005, S.72)

Leitungsstellen verfĂŒgen ĂŒber besondere Befugnisse gegenĂŒber anderen Stellen. Im Allgemeinen wird zwischen fachlichen und disziplinarischen Weisungsbefugnissen differenziert: (Vahs 2005, S.71)

VerhÀltnis zwischen den Disziplinar-(Linien-) und den Fachvorgesetzten

Vorgesetzter eines Mitarbeiters ist der Linienvorgesetzte. Bedingt das Aufgabengebiet eines Mitarbeiters besondere Fachkenntnisse eines Vorgesetzten oder ist es einem anderen FĂŒhrungsbereich zugeordnet, so kann fĂŒr den Mitarbeiter zusĂ€tzlich ein Fachvorgesetzter bestimmt werden. Dabei bleibt die personelle und organisatorische Verantwortung fĂŒr den Mitarbeiter bei dem Linienvorgesetzten, die betreffenden Fachverantwortung geht auf den Fachvorgesetzten ĂŒber.

Die Kompetenzverteilung zwischen Linien- und Fachvorgesetztem soll durch Absprache festgelegt werden. Linien- und Fachvorgesetzter informieren und beraten sich gegenseitig. Dies gilt insbesondere bei Entscheidungen, die von der abgesprochenen Kompetenzverteilung abweichen. Hat einer der beiden Vorgesetzten Bedenken gegen eine solche Entscheidung des anderen und ist eine Einigung nicht zu erreichen, so entscheiden die jeweils vorgesetzten FĂŒhrungsstellen. UnberĂŒhrt bleibt das Recht der Zentralbereiche, Werksverwaltungen oder sonstigen Zentralstellen, in fachlichen Angelegenheiten, die fĂŒr die Bayer AG oder ein Werk einheitlich geregelt werden mĂŒssen, Richtlinien herauszugeben (z. B. Einstellungsrichtlinien, Inventurrichtlinien). Hierdurch wird kein zusĂ€tzliches UnterstellungsverhĂ€ltnis begrĂŒndet. (Bayer AG (Hrsg.) (1991): GrundsĂ€tze fĂŒr FĂŒhrung und Zusammenarbeit, entnommen aus Vahs 2005, S.72)

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Quellen: